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Die Geschichte der Turngemeinde Jügesheim

Am 22. Juli 1888 fanden sich im Gasthaus „Zur Krone“ 25 junge Leute zusammen, die die edle Turnsache zur Genüge zu schätzen wussten und deren Pflege als eine Notwendigkeit für Körper und Geist erkannten. Sie gründeten die Turngemeinde Jügesheim und wählten einen Vorstand, der sich wie folgt zusammensetzte:

  • 1. Vorsitzender - Nikolaus Henkel
  • 2. Vorsitzender - Wendelin August Wilhelm
  • Turnwart - Johann Josef Weitz
  • Rechner - Adam Josef Werner II.  
  • Schriftwart - Wendelin Sattler.

Als Vereinslokal wurde das Gründungslokal vorläufig beibehalten. Nun ging es mit Eifer an die praktische Arbeit. Geturnt wurde, da noch kein Turnplatz vorhanden war, in dem dem Vereinslokal gegenüberliegenden Hofe des damaligen Beigeordneten und Förderer des Vereins Wendelin Wilhelm.

Die Geräte waren primitiv und in der genannten Hofreite untergebracht Die Forderungen nach einem Turnplatz wurden immer dringender.
Da es aus eigenen Mitteln nicht möglich war einen Turnplatz zu kaufen und der Vereinswirt keinen Platz zur Verfügung stellte, wurde das Vereinslokal in das Gasthaus „Zum grünen Baum“ (Adam Appelmann) verlegt.

Der Wirt erkannte die Zeichen der Zeit, kaufte einen Platz in der Ludwigstraße und stellte ihn als Turnplatz zur Verfügung. Die Turnstunden waren im Sommer Sonntagmittags von ½ 4 bis 5 Uhr immer gut besucht. Der Verein beschloss dem Turnbund „Jahn“ beizutreten. Im Sommer wurde auf dem Turnplatz rege geturnt, aber im Winter fehlte der passende Saal. Deshalb musste die Turnerei in dieser Zeit eingestellt werden. Im Jahre 1895 wurde dem Verein das Bundesfest übertragen, an dem nicht nur alle Vereine, sondern auch die ganze Jügesheimer Einwohnerschaft teilnahm.

Das nächste Ziel war nun die Anschaffung einer Vereins-Fahne, das im Jahre 1900 erreicht wurde. Die Fahnenweihe im Juni 1900 wurde mit einem volkstümlichen Wettkampf verbunden. Noch im gleichen Jahr musste leider infolge eines Missverständnisses mit dem Wirt das Vereinslokal abermals verlassen werden und nun wurde das Gasthaus „Zur Rose“ (Hermann Sahm) die Heimstatt der Turngemeinde. Allerdings benötigte man einen Turnplatz und es wurde beschlossen, das Gelände an der Weiskircher Straße zu kaufen.
Am dritten Ostertag 1901 konnte der Verein den neuen Turnplatz mit Gerätehaus und Zubehör feierlich einweihen. Die Einfriedigung war dem Mitglied Georg Jäger übertragen worden.

Die Freude auf eigenem Rasen zu stehen, animierte die Mitglieder noch mehr und es war jetzt nicht nur in jeder Turnstunde, sondern auch jeden Abend und am Sonntag Nachmittag reges Leben auf dem Turnplatz. Aber bald war im Turnbund Jahn für die Turner kein ausreichendes Tätigkeitsfeld mehr und der Verein meldete sich zum Gau Offenbach-Hanau, um im Rahmen der Dt. Turnerschaft seine Kräfte zu messen.  
Die Forderung, auch im Winter turnen zu können, wurde immer aber lauter. Da im Vereinslokal „Zur Rose“ kein Saal zur Verfügung stand, zog man im Jahre 1905 abermals um. Im Gasthaus „Zum Forsthaus“ (Andreas Bischoff) ließen sich daneben auch die gesellschaftlichen Zusammenkünfte und Vereinsfestlichkeiten besser veranstalten. Der Verein stand in dieser Zeit in voller Blüte und oft waren Versammlungen, bei welchen von 120 Mitgliedern, die damals der Verein, zählte, keine 10 fehlten.

Das Bestreben der Turner war aber, auch in der Weiskircher Straße Turnstunden und Festlichkeiten abzuhalten zu können und so stellte im Dezember 1910 der Ehrenturnwart lgnaz Roßkopf den kühnen Antrag zum Bau einer Turnhalle. Eine entsprechende Erhöhung der Beiträge wurde sofort bewilligt. Im Jahre 1911 wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1912 beschäftigte man sich schon mit Bau-Angelegenheiten. Das Mitglied Hermann Kämmerer entwarf unentgeltlich einen Plan, der nach verschiedenen Abänderungen und Verhandlungen mit dem Kreisbauamt genehmigt wurde. Im Januar 1913 wurde er zum Bauleiter ernannt.

Da in diesem Jahr der Verein 25 Jahre bestand, bewarb man sich auch um das Gaufest und so konnte im August 1913 das seltene Dreifach- Fest gefeiert werden: 25jähriges Jubiläum, Gaufest und Turnhalleneinweihung. 

Das eigene Heim ist stets ein Ansporn für den Zusammenhalt des Vereins gewesen. Die Halle ist 25 Meter lang 9 Meter breit und kostet 12 400 Mark. Bei guter Besetzung fasst sie 600 Personen. Leider brach 1914 der unselige 1. Weltkrieg aus. Die älteren Mitglieder mussten zum weitaus größten Teil sofort einrücken. Aber das Vereinsleben ging weiter. Der Verein hatte Schulden und dementsprechend musste gewirtschaftet werden. Die nicht eingezogenen Mitglieder ließen sich einiges einfallen, um von den Schulden runter zukommen. Alle im Rahmen der Kriegsvorschriften zulässigen Theater und sonstigen Veranstaltungen wurden in der Turnhalle abgehalten und so konnten während des Krieges nicht nur die Zinsen, sondern auch ein Teil der Schulden beglichen werden.

Nach Rückkehr der Mitglieder aus dem Weltkrieg kam wieder neues Leben in den Verein, das bis heute von wirtschaftlichen Erfolgen begleitet wird. Im Jahre 1921 wurde in der unteren Sände (Im Bereich des heutigen Waldfriedhofes) ein weiterer Sportplatz angekauft, um den inzwischen modern gewordenen Handballsport zu fördern. 1928 konnte das 40-jährige Jubiläum mit der Einweihung der erweiterten Turnhalle gefeiert werden.

Die dreißiger Jahre brachten dann, durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933, auch Veränderungen im Vereinsleben mit sich. Der 1. Vorsitzende wurde damals zum Vereinsführer ernannt und das Vereinsgeschehen musste sich ganz dem politischen Geschehen unterordnen. Aber trotz der Widerwärtigkeiten, die diese Zeit mit sich brachte, konnte sich der Verein weiter entwickeln und es wurde im Jahre 1938 das 50-jährige Jubiläum, abermals verbunden mit einem Gauturnfest, mit einem großen Fest gefeiert. Lediglich der Wettergott meinte es damals mit der Turngemeinde nicht gut und bescherte ausgerechnet bei dem Festzug am Sonntag ein Gewitter, das seinesgleichen suchen konnte. Der Festzug musste abgebrochen werden und die Festzugteilnehmer flüchteten sich in die anliegenden Häuser und in das Festzelt.

Der 2. Weltkrieg 1939 – 1945 brachte wieder große Einschnitte für den Verein und das sportliche Geschehen wurde nur noch von den Jugendlichen aufrecht erhalten, die recht eifrig die Turnstunden besuchten und auch im Handball den Verein noch repräsentierten.
Schon im Jahre 1948 konnte, zusammen mit dem 2. Gauturnfest des Turngaues Offenbach Hanau, das 60-jährige Jubiläum des Vereins gefeiert werden. Den meisten ist davon noch in Erinnerung, dass es dabei, von einem Vereinsmitglied organisiert, zum ersten Mal nach den Kriege Wurst ohne Lebensmittelmarken zu kaufen gab.

Im Jahre 1953 wurde dem Zahn der Zeit folgend anstelle der Handballabteilung eine Fußballabteilung ins Leben gerufen. Diese Abteilung nahm eine schnelle und stete Aufwärtsentwicklung. Im Jahre 1954 konnte, unter der Mitwirkung einer amerikanischen Pioniereinheit hinter der Turnhalle der Sportplatz gebaut werden. 1958 wurde von Interessenten eine Schachabteilung gegründet und 1961 folgte eine Frauenabteilung.
Um der Raumenge, die durch die stetige Weiterentwicklung des Vereins entstanden war, zu beheben wurden im Jahre 1962 neue Trainings-, Aufenthalts- und Duschräume gebaut. Dabei wurde auch die Gastwirtschaft modern gestaltet und erweitert.

Im Laufe der Jahre konnten sich viele neue Sportarten und Abteilungen im Verein etablieren: Wie 1963 die „Freitagsturner“,  1973  Die „Langlaufabteilung“,  1979 die Tischtennisabteilung“, 1980 die „Volleyballabteilung“, 1983 die „Wanderabteilung“,  1988 die „Judoabteilung“ ,  1991 die „Konditionsabteilung“, 1994 „Mädchen-Fußball“,  „1995 „Gardetanz“, 1997 „Frauenfußball“,  und die „Basketball Abteilung“ und die „Fastnachtabteilung“, die mit den Elfergirls und einem Elferrat seit 1995 eine alte Tradition weiterführt.

Das Jahr 2002 brachte dann den Zusammenschluss mit dem Sportverein 1915 Jügesheim mit dem Namen „Turngemeinde 1888 Sportverein 1915 e.V.“, der nun die Traditionen der beiden ehemaligen, erfolgreichen Vereine weiterführen wird.


Rudi Bischoff und Otto Rücker



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